Solidarität mit dem globalen Frauenstreik!

Wenn unser Leben keinen Wert hat, dann streiken wir! Aufruf zum globalen Frauenstreik am 8. März 2017

Nach den Mobilisierungen und den Streiks von Frauen im vergangenen Jahr, nach ihrer riesigen Beteiligung während der Inthronisierung Trump‘s in den USA und weit darüber hinaus finden jetzt in vielen Ländern auf der ganzen Welt Versammlungen statt, um den 8. März zu einem großen Streiktag zu machen. Wir laden alle, die Initiativen zum 8. März planen, ein, diesen Aufruf zu verbreiten, um die feministische Streikbewegung transnational und stark werden zu lassen.

Von Polen bis Argentinien, von der Türkei bis Italien entsteht gerade eine weltweite Bewegung von Frauen. In mehr als zwanzig Ländern werden am 8. März Frauen die Straßen erobern und streiken, um für einen Tag Produktion und Reproduktion zu unterbrechen. Inspiriert von den Streiks der Frauen in Argentinien und Polen, von den riesigen Demonstrationen in Italien gegen männliche Gewalt und nach dem Women’s March, der in Washington und London seinen Anfang nahm und weltweit zugleich in hunderten von Städten stattfand – mit all diesen Erfahrungen im Rücken wird der 8. März ein nächster Moment des Aufruhrs. Alle, die gegen das neoliberale Patriarchat protestieren werden zusammen gegen männliche Gewalt kämpfen und gegen sämtliche anderen Maßnahmen, die unsere Rechte einschränken oder unterdrücken wollen. Regeln, die die Mutterschaft als das einzig mögliche weibliche Schicksal propagieren, und – ob rein materiell, ob symbolisch oder diskursiv – die Freiheit von Frauen einschränken sollen.

Der Streik wird zuhause stattfinden, wo Frauen alte Menschen pflegen oder Kinder erziehen; er wird in Fabriken durchgeführt, wo Frauen für den Weltmarkt produzieren müssen; in Schulen, Krankenhäusern, im öffentlichen und im privaten Sektor, überall dort, wo Frauen die Reproduktion aufrechterhalten, und überall dort, wo Frauen bis heute entweder schlechter bezahlt werden als Männer oder gar nicht, und überall dort, wo Frauen unter extrem prekären Bedingungen schuften. In Universitäten und Schulen, wo Geschlechterrollen und Hierarchien einhergehen mit Verarmung und der Privatisierung von Wissen. Der 8. März wird auch ein Tag des Widerstands für Migrantinnen sein, die täglich ihrer Ausbeutung entkommen wollen und dafür Grenzen überwinden müssen – erpresst durch Aufenthaltsbeschränkungen und zugleich hauptverantwortlich für die Sorgearbeit. Der Tag wird für alle LGBTQ eine Gelegenheit sein, herrschende Geschlechterkategorien abzuschütteln; und auch für alle Männer, die gegen die herrschende Ordnung kämpfen – eine Ordnung, die Frauen unterwirft, vergewaltigt und tötet und die zugleich die Ausbeutung aller Menschen ermöglicht.

Der 8. März wird dieses Jahr kein Ritual sein. Dieses Jahr kann und muss die Gelegenheit genutzt werden, um zu zeigen, wie kraftvoll ein Streik sein kann, indem er nicht nur auf der Arbeit, sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen und zuhause durchgeführt wird, wenn der Streik weltweit ein feministisches Aufbegehren gegen den globalen neoliberalen Angriff darstellt. Am 8. März können auch diejenigen, die nicht “legal” streiken dürfen, ihre Ablehnung von Unterdrückung und Prekarität demonstrieren: Wir den Streik als Waffe nutzen: gegen jegliche Versuche, Streiks rechtlich oder mit der Drohung von Entlassung zu behindern, werden – überall, wo Unterdrückung und Ausbeutung herrscht!

Die Streikbewegung überwindet derzeit unaufhaltsam die Grenzen von Arbeitsplatz und Gesellschaft, von Produktion und Reproduktion und von Ländern und Regionen: der Women’s Streik kann aktuell am besten zeigen, was ein transnationaler sozialer Streik bedeuten kann. Am 8. März werden wir Teil eines weltweiten Aufbegehrens sein, das all die herrschenden Geschlechterverhältnisse umstürzen will, die Frauen unterdrückt und die gesamte Gesellschaft beherrscht. Der Women’s Streik am 8. März wird die isolierten alltäglichen Kämpfe von Millionen von Frauen zusammenführen, und jede einzelne Stimme wird in einem gemeinsamen lauten Schreiwiderhallen: Wenn unser Leben keinen Wert hat, dann streiken wir!

#niunamenos #womenstrike #8M

Transnational Social Strike Platform

Mehr Sprachen auf der Website TSSP

Aufruf: Internationaler Frauen*kampftag 8.3. in Bielefeld

Der 8. März ist ein feministischer Tag, denn es ist der internationale Weltfrauen*kampftag. Dieser Tag steht für den Kampf gegen das Patriarchat, Sexismus und die systematische Ausbeutung von Frauen*.Vor 100 Jahren gingen die Frauen* auf die Straße, um für das Wahlrecht und Gleichberechtigung zu kämpfen. Heute sind viele der Forderungen immer noch aktuell, auch wenn sich die Kampflinien verschoben haben.

Wir leben in einer Gesellschaft, die durchdrungen ist von patriarchalen Strukturen. Diese Strukturen ordnen Menschenleben in höher- oder minderwertig ein (z.B. Schwarz oder weiß, arm oder reich, vermeintlich stark oder schwach, Mann oder Frau). Sie sind zerstörerisch und ausbeutend. Sie sind Grundlage dafür, dass sich die Diskriminierung, Benachteiligung und die psychische wie auch körperliche Gewalt gegenüber Frauen* fortsetzt. Statistisch gesehen ist jede dritte Frau von sexualisierter Gewalt betroffen.
Schau Dich um, zähl bis drei und verstehe, wie viel das ist…
Wir kämpfen gemeinsam dagegen, dass wir belächelt, benutzt, verdrängt, fremdbestimmt, geschlagen und vergewaltigt werden, egal ob zu Hause, in der Öffentlichkeit oder anderswo!

Wir werden so lange diesen Tag begehen, bis Gleichberechtigung hergestellt ist!
Wir stellen uns gegen jede Ungleichheit und Benachteiligung von Frauen*.

Das Patriarchat ist Überall!
Es ist in der Arbeitswelt zu finden, wenn Arbeitsteilung sexistisch motiviert ist und die sogenannten Frauen*berufe und -aufgaben entwertet und/oder schlechter bezahlt werden oder im Falle der Hausarbeit gar nicht erst gesehen werden.

Es ist in der ganzen Welt zu finden!
In Polen gehen Frauen* auf die Straße, um für das Recht der Abtreibung zu kämpfen. Reproduktive Rechte wie sexuelle Selbstbestimmung, das Recht auf Familienplanung, Gesundheitsvorsorge und Abtreibung sind grundlegend und sollten für Frauen* auf der ganzen Welt erkämpft werden!
In Argentinien kämpfen hunderttausende Frauen* gegen Gewalt und Morde gegenüber Frauen* an und legen ganze Städte lahm.
In Rojava erkämpfen Frauen* eine demokratische Gesellschaft und leisten Widerstand gegen den sexistischen Normalzustand.
In einer Welt, in der Abschottungspolitik Ausbeutung, Flucht und Unterdrückung herrscht, sehen wir rechtspopulistische und antifeministische Haltungen an Boden gewinnen, die diese Prozesse unterstützen und vorantreiben. Es gilt sich ihnen mit aller Kraft entgegenzustellen!

Im Kampf gegen das Patriarchat und solidarisch mit den Frauen*Kämpfen auf der ganzen Welt gehen wir am 8. März gemeinsam auf die Straße.

Denn das Patriarchat ist überall!
Gegen Unterdrückung und Gewaltherrschaft!
Für das gute Leben für Alle überall!
Für geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung!
Jin! Jiyan! Azadî!

Open to all gender – we should all be femnists!


Wenn wir von Frauen* sprechen, schließen wir Trans*- und Inter*-Menschen und diejenigen, die sich nicht als Frauen verstehen, aber von sexistischer Diskriminierung betroffen sind, mit ein. Die Lebensrealititäten von LesbianGayBisexuellTransInterQueer’s sind geprägt von Ausgrenzung, Diskriminierung, Verfolgung bis hin zu körperlicher Gewalt. Wir wählen den Begriff Frauen*kampftag, um an frühere feministische Kämpfe anzuknüpfen.

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